Archiv für Januar 2014

Na endlich: Neubewertung der Mordfälle in Bad Buchau, Heidenheim und Memmingen werden überprüft

Neuuntersuchung alter Verdachtsfälle
Aus der „Schwäbischen Zeitung“:

In Sachen rechtsextremistische Gewalt steht die Region mit nur einem notierten Todesopfer seit 1990 statistisch vergleichsweise gut da. Noch. Denn eine Reihe von Tötungsdelikten wird nun neu überprüft. Dabei könnten mindestens drei bereits aufgeklärte Fälle mit fünf Toten nachträglich als rechtsextremistisch eingestuft werden. Es geht um Gewaltopfer aus Heidenheim, Bad Buchau und Memmingen. […] Es werden aber noch weit mehr Fälle untersucht. Bundesweit werden 746 versuchte und vollendete Tötungsdelikte zwischen 1990 und 2011 erneut unter die Lupe genommen, bei denen es „Anhaltspunkte“ für einen rechtsextremistischen Hintergrund gibt, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Nur 120 von ihnen gelten bereits als aufgeklärt, 626 hingegen nicht.
Allein in Baden-Württemberg werden 216 ungelöste Fälle erneut untersucht, in Bayern 45. Anhaltspunkte können sein, dass die Opfer in rechte Feindbilder passen – also Ausländer, Punks, Homosexuelle oder Obdachlose sind. In den Landeskriminalämtern im Süden geht man allerdings davon aus, dass es nur selten zu einer grundsätzlichen Neubewertung kommen wird. Viele Fälle sind ausermittelt, bei anderen wurden mittlerweile wohl die Akten vernichtet. „Das Ergebnis wird sich wohl im niedrigen einstelligen Bereich bewegen“, glaubt ein Insider im Stuttgarter Innenministerium.
[…] Ob bei den 261 ungelösten Tötungsdelikten aus Baden-Württemberg und Bayern mit möglicherweise rechtsextremen Motiv auch weitere aus der Region sind, wollen die zuständigen Landeskriminalämter (LKA) nicht verraten. Doch zumindest der bis heute nicht aufgeklärte Mord an einem kurdischen Blumenhändler in Laichingen Ende 2011 dürfte zu den Fällen gehören.
Bayerns LKA widerspricht zudem der Darstellung, dass man auch Fälle aus der Jansen-Liste überprüft – das Bundesinnenministerium bestätigt hingegen aber genau das.
Ausgelöst wurde die neue Überprüfung durch die NSU-Morde, die 2011 bekannt wurden. Daraufhin wurden bundesweit 3300 Tötungen und Tötungsversuche nach möglichen Hinweisen auf rechte Täter überprüft – 746 werden nun genauer unter die Lupe genommen. Die Überprüfung soll im kommenden Frühling abgeschlossen sein.

* Klaus Wieschemeyer: Suche nach übersehenen Neonazimorden, Schwäbische Zeitung, 15.12.2013, http://www.schwaebische.de/region/wir-im-sueden/baden-wuerttemberg_artikel,-Suche-nach-uebersehenen-Neonazimorden-_arid,5553683.html