DAS OPFER
Opfer war der 23-jährige Eberhard Arnold aus Neu-Ulm, ein Fan des SSV Ulm.

DIE TAT
Nach einem Bundesliga-Basketballspiel am 21. Oktober 1990 in Ludwigsburg griffen rechte Skinheads eine Fan-Gruppe des SSV Ulm auf dem Ludwigsburger Bahnhof an. Dabei warfen sie Molotow-Cocktails in die, am Bahnsteig stehende, Menge, die daraufhin die Flucht ergriff. Einer der Flüchtenden ist der 23-jährige Ulmer Fan Eberhard Arnold. Dieser stürzte vor eine einfahrende S-Bahn, wird von ihr überrollt und stirbt.
Bereits drei Tage vor dem Spiel am Sonntag, den 21. Oktober 2013, waren auch von Veranstaltern Auseinandersetzungen befürchtet worden. Das rief offenbar auch rechte Skinheads auf den Plan. Die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ vom 25. Oktober 1990 titelte „Brutalität von langer Hand geplant“. Eine Gruppe von 15 Skinheads benutzte das Basketballspiel für ihre Zwecke. Sie hatten bereits drei Tage zuvor verabredet Ulmer Fans „zu klatschen“ und „aufzumischen“. Sie gingen zum ersten Mal zu einem Basketball-Spiel. Bereits in der Pause kam es in der Rundsporthalle zu Problemen und die Polizei musste gerufen werden.
Die Skinheads fuhren nach dem Spiel mit Autos zum Bahnhof. Drei bis vier Täter entschlossen sich die Ulmer Fans mit einem Molotow-Cocktail anzugreifen. Sie zapften Benzin aus einer Maschine auf der Baustelle des Solitude-Areals in eine mitgebrachte Bierflasche.
Der Haupttäter, ein 20-jähriger Azubi aus Ludwigsburg, trug den Molotow-Cocktail unter der Jacke versteckt in den Bahnhof.
Tatort Bahnhof Ludwigsburg Gleis 3
Die Ulmer Fans warteten auf Bahnsteig 3, dem Mittelbahnsteig, auf die S-Bahn nach Stuttgart. Währenddessen betrat eine zehnköpfige Skinheadgruppe den Bahnsteig 1
Der 20-jährige Azubi und ein 19-jähriger, der in der Rundsporthalle bereits eine Schlägerei angezettelt hatte, versteckten sich hinter einer Reklamewand, zogen Masken über und zündeten den Brandsatz an. Der 20-jährige Haupttäter warf dann den Brandsatz etwa 15 Meter auf etwa 40 Ulmer Fans, die auf Gleis 2 und 3 warteten. Insgesamt hielten sich 2-300 Reisende auf dem Mittelbahnsteig auf. Davon flohen in Panik 100 Personen, 40 Fans und 60 andere Passant/innen. Der Molotowcocktail-Werfer und drei weitere Skinheads im Alter von 16, 18 und 19 Jahren, stürmten über das Gleis und griffen die Fliehenden an. Sie warfen mit Steinen aus dem Gleisbett auf die Fliehenden und drohten den Ulmer Fans sie weiter zu verfolgen.
Der 23-jährige Eberhard Arnold stürzte dabei von der Bahnsteigkante auf die Gleise vor den gerade einfahrenden S-Bahn-Zug Marbach-Stuttgart, wurde von ihm erfasst und starb noch am Unfallort an seinen Verletzungen.

ERMITTLUNG & PROZESS
Die Polizei leitete sofort nach dem Mord eine Fahndung ein und ermittelte acht Tatverdächtige im Alter von 16 bis 20 Jahren.
Bei zwei der Festgenommenen wurde NPD-Propaganda und Nazi-Material (SS-Memorabilia, Hitler-Schriften) gefunden. Außerdem waren die Täter offenbar bereits bereits vorher durch antisemitische Grabschändungen in Vaihingen/Enz und Markgröningen auffällig geworden.

Drei der Täter wurden wegen „gemeinschaftlichen Totschlags“ angeklagt.
>>> Urteil < <<

REAKTIONEN & ERINNERUNG
Noch am Tatabend gab es eine Mahnwache und am 27. Oktober 1990 demonstrierten über 200 Demonstrant/innen. Dabei wurde auch ein Flugblatt mit folgendem Text verteilt:

Am Sonntag warfen Skinheads einen Molotow-Cocktail in eine wartende Menschenmasse auf dem Ludwigsburger Bahnhof und trieben den 23jährigen Eberhard Arnold in den Tod. Bei Vaihingen und Markgröningen schändeten, ebenfalls aus der Skinheadszende stammend, Neofaschisten die jüdischen Gräber auf zwei KZ-Friedhöfen. Wir trauern um den Toten und wollen durch diese Demonstration unsere Wut über das Anwachsen der neo-nazistischen Gewalttaten ausdrücken und ihren Zusammenhang mit dem staatlich verordneten neuen deutschen Nationalismus aufzeigen. Erst im Zuge der Berichterstattung über die Ermordung von Eberhard Arnold ist von den Medien verbreitet worden, was inzwischen allgemein bekannt ist. Die Ludwigsburger Skinheadszene terrorisiert schon länger in Stadt und Kreis all die Menschen, die sie zu ihrern Gegnern erklärt haben. Das gleiche Bild von Skinheads, die den Tod von Menschen in Kauf nehmen ergibt sich in Stuttgart. Dort töteten vor einem dreiviertel Jahr Skinheads auf dem Stuttgarter Marienplatz einen Obdachlosen. In Heilbronn stachen vor einem Monat am Nachmittag in der Fußgängerzone zwei Skins einen türkischen Jugendlichen nieder. Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, dass es nicht hauptsächlich um das „Gewaltpotential in wenigen gestörten Hirnen“ (Stuttgarter Nachrichten, 23.10.1990), sondern um das Ergebnis veränderter, nach rechts verschobener politischer Verhältnisse geht. Es sind eben nicht hauptsächlich fanatisierte und geistig etwas zurückgebliebene Einzeltäter, die diese Taten alleine zu verantworten haben. Vielmehr erkennen wir eine ursächlichen Zusammenhang mit der allgemeinen politischen Rechtsverschiebung im Zuge der Wiedervereinigung und diesen mörderischen und grabschändenden Aktivitäten.

Nach der Tat sprach der damalige Polizeidirektor Dietmar Markus von einer „mangelnde[n] politische[n] Motivation“.

Am 21. Oktober 2013 verteilte die Gruppe „Antifaschistische Aktion Kreis Ludwigsburg“ am Bahnhof mehrere hundert Flyer an Passant/innen, um an den Tod von Arnold Eberhard zu erinnern.
Gedenkflyer Eberhard Arnold

LITERATUR & QUELLEN
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