DAS OPFER
Kiomars Javadi
(Screenshot „18 Minuten Zivilcourage“)
Opfer war der 20-jährige iranische Flüchtling Kiomars Javadi, der in Deutschland Antrag auf Asyl gestellt hatte. Er suchte hier Zuflucht vor der politischen Unterdrückung in seinem Heimatland. Als Asylsuchender wurde er zwangsweise im Lager in der ehemaligen Thiepval-Kaserne untergebracht.
Kiomars war das einzige Kind seines Vaters, der seinen Sohn schweren Herzens nach Europa gehen ließ: „Ich dachte in Europa wird er es besser haben als hier“, sagte er später zu einem Freund von Kiomars. „Darum ließ ich ihn gehen“.

Rahim Shirmahd schreibt in seinem unveröffentlichten Manuskript „Rassismus ist Opium für das Volk“ über seinen Freund Kiomars:

Kiomars Javadi wurde 1966 in Share Rey, einem historischen Vorort von Teheran geboren. Mai 1986 kam er mit einem falschen Reisepass, den er als solchen den Behörden übergab, über die Türkei und Ostberlin in die Bundesrepublik. In dieser Zeit tobte im Iran immer noch der achtjährige Krieg. […] Als später seine Ehefrau Marjan ebenfalls nach Tübingen kam, teilten sie sich in der Kaserne zunächst ein Zimmer mit einem weiteren Ehepaar. In Teheran war Kiomars in einem Farblabor beschäftigt gewesen. Er zog bei mir Fotos von einem „Jimmy Cliff“-Konzert ab, die er selbst aufgenommen hatte.
Er beteiligte sich an den Kursen, die in der „Evangelischen Studenten-Gemeinde“ (ESG) angeboten wurden. Diese Studentengemeinde war, im Gegenteil zur Stiftsgemeinde, gegenüber den nichtchristlichen Ausländern stets aufgeschlossen und vor allem vorurteilsfrei. Später war der Lagerkoller auch für Kiomars nicht mehr aufzuhalten. Viele Asylbewerber kennen diesen Koller, der von wissenschaftlich-medizinischer Seite als zwangsläufige Folge langen Lagerlebens angesehen wird. Der Tübinger Neurologe Dr. Horst Quenzer bezeichnet diesen Zustand eher als einen der Verfolgung als der Befreiung, eher als Fortsetzung der Situation, aus der sie geflohen sind, denn als deren Veränderung zum Besseren.
Meiner Erinnerung an Kiomars ist, wie er auf der Stiftskirchentreppe in der Tübinger Altstadt sitzt. Im Gegenteil zu meinen Landsleuten war ich immer der Meinung, man müsse junge Menschen die sich gegen die eigenen Tradition und Religion auflehnen erst recht beschützen als sie auszustoßen, denn gerade sie sind am anfälligsten gegenüber sämtlichen Zivilisationswirren. Ich machte ein Foto von ihm, wie er auf der Stiftskirchentreppe sitzt.

Um die Situation von Kiomars Javadi als Flüchtling zu verstehen ist es wichtig, mehr über die damalige Lage von Flüchtlingen zu wissen. Im Jahr 1980 wurde das zweite Gesetz zur Asylverfahrenbeschleunigung verabschiedet. Hintergrund war der Anstieg der Flüchtlingszahlen, die einen gesellschaftlichen Rassismus befeuerten, der zur Forderung nach Einschränkung des Asylrechts an die Politik führte. Was dann von den Volksvertreter/innen auch umgesetzt wurde. Das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf Asyl wurde massiv eingeschränkt. Ab August 1980 mussten Flüchtlinge in Sammellagern untergebracht werden und durften für die Dauer des Asylverfahrens nicht arbeiten, ebenso war es ihnen seitdem verboten die Kreisgrenzen ihres Aufenthaltsorts zu überschreiten (Residenzpflicht). Asylbewerber/innen bekamen damals nur ein geringes monatliches Taschengeld von 70 DM (35 Euro). Den Aussagen von Kiomars‘ Freunden nach verwendete dieser das Geld vor allem, um mit seiner jungen Frau zu telefonieren.

In der Öffentlichkeit gab es damals einen rassistisch geprägten Diskurs über Flüchtlinge und Zuwanderer allgemein. In den Zeitungen war die Rede von „Scheinasylanten”, „Wirtschaftsflüchtlinge” oder „Asylanten-Schwemme“. Eine regelrechte Pogrom-Stimmung machte sich in Teilen der Bevölkerung breit. Unions- und SPD-Politiker/innen versuchten sich auch über rassistische Aussagen die Wählergunst zu sichern. Seit 1983 existierte mit der Republikaner-Partei eine, zeitweise erfolgreiche, rechtspopulistische Partei, die vor allem von der CDU/CSU als Konkurrenz wahrgenommen wurde.
Rolf Olderog (CDU), damals Bundestagsabgeordneter, sagte am 4. Oktober 1985 in einer Bundestagsdebatte: „Wir müssen Herr der Situation bleiben und dürfen uns nicht von den internationalen Flüchtlingsströmen unserer Zeit, von denen die Väter des Grundgesetzes noch nichts ahnen konnten, hilflos überrollen lassen.“

DIE TAT
Am 19. August 1987 besuchte der 20-jährige Kiomars Javadi den heute nicht mehr existierenden Tübinger Supermarkt der „Pfannkuch“-Kette in der Karlsstraße, um sich etwas zu Trinken zu kaufen.
Tatort Eingang
(Screenshot „18 Minuten Zivilcourage“)
An der Kasse sprach ihn ein Angestellter an, dass er einen Einkaufswagen, den er im Laden abgestellt habe, wieder mit nach draußen nehmen solle. Kiomars versuchte zu erklären, dass er nichts mit dem Wagen zu tun habe. Ein Streitgespräch entspann sich. Daraufhin wurde Kiomars nach Augenzeugenberichten von einem Angestellten von hinten gepackt und gegen seinen Willen in einen Kellerraum verschleppt. Eine Kundin, die vor Javadi an der Kasse stand, gab später bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll: „Sie ließen den Ausländer gar nicht zu Wort kommen. Sie haben ihn von hinten gepackt, so dass seine Füße den Boden nicht mehr erreichten und gegen seinen Willen nach hinten getragen.“
Im Keller konnte er sich offenbar durch einen Biss in den Finger des Angestellten befreien. Zuvor wurde er von dem Angestellten vermutlich misshandelt, denn dieser gestand später, einen Gummiknüppel „fachgerecht gehandhabt“ zu haben. Nach dem Tod von Kiomars Javadi fand die Polizei auch einen Gummiknüppel im Müllcontainer des Supermarkts.
Als die Tür durch den Filialleiter geöffnet wurde, floh Kiomars in den Hinterhof in der Wöhrdstraße.
Tatort Hintereingang
(Screenshot „18 Minuten Zivilcourage“)
Hier wurde er gegen 17 Uhr von drei Supermarktangestellten gestellt. Er wurde mit Hilfe des Filialleiters gepackt und auf den Boden geworfen und mit dem Gesicht nach unten festgehalten. Der 18-jährige Lehrling Andreas U. nahm das Opfer in den Würgegriff, während der Filialleiter ihm mit einem „schmerzhaften Hebelgriff aus der Karatetechnik“, die Beine verdrehte.
Insgesamt 18 Minuten lang wurde Kiomars nicht aus dem Würgegriff freigegeben. Dies geschah vor den Augen von mindestens 15 gaffenden Zuschauer/innen (nach anderen Berichten sogar 30). Bis auf ein älteres Ehepaar fühlte sich keiner genötigt Kiomars zu helfen und einzuschreiten. Der Zeuge Jack Lohmann berichtete:

Meine Reaktion und die Reaktion von den zwei Leuten, die meines Erachtens ebenfalls auch Ausländer waren, war die, man müsste eigentlich etwas machen. Zuerst war das rein verbaler Art. Ich schrie ihn an: »Lass ihn los! Du bringst ihn um! « Und er antwortete sofort: »Ich lass den nicht mehr los! «. Daraufhin ging die Frau, die neben mir stand, nach vorne auf Richtung des Ausländers zu. Ich trat auch ein oder zwei Schritte nach vorne unmittelbar vor diesem Beteiligten. Und wir wollten gerade eingreifen, als eigentlich von mehreren Seiten Leute uns anschrieen und sagten »Halte dich da raus! Du kriegst die Gosch voll! Das geht dich nichts an! « Ich habe auch in diesem Augenblick gesehen, dass es mehrere Leute dieser Firma waren, das waren schätzungsweise dann, mit diesen 3 ursprünglichen 6 oder 7, die ich daran erkennen konnte, weil sie einen weißen Kittel anhatten, also offensichtlich einen Verkaufskittel dieser Firma. Wir empfanden alle, diese Dame und ihr Begleiter und ich diese Situation als recht bedrohlich. Also man kann mit Sicherheit sagen, dass es mehr als 15 Leute waren, die die Szene beobachtet haben und aus welchem Grund auch immer nichts unternommen haben, weder versucht haben einzugreifen, noch sich verbal geäußert haben.

Laut Gerichtsmediziner Volker Schmidt war Kiomars Javadi bereits nach vier bis sechs Minuten tot gewesen. Die beiden Täter hatten also die meiste Zeit nur noch einen Toten im Würgegriff. Nach 18 Minuten traf die Polizei ein und legte dem Toten noch Handschellen an bis der Krankenwagen kam.
Der Notarzt Dr. Warth berichtete: „Der Befund bei Übernahme war, dass der Patient weite, lichtstarre Pupillen hatte. Es bestand Herzstillstand, Atemstillstand. Er war bereits klinisch tot.”
Leiche von Kiomars Javadi
(Screenshot „18 Minuten Zivilcourage“)

Unmittelbar nach dem Tod wurde offenbar ein Alibi für die beiden Haupttäter konstruiert, wonach Kiomars beim Ladendiebstahl ertappt worden sei. Man präsentierte der Polizei einen Einkaufswagen, den das Opfer angeblich benutzt haben soll, mit Lebensmitteln, die vorgeblich gestohlen wurden. Jedoch fanden sich keine Fingerabdrücke von Kiomars Javadi auf den Lebensmitteln. Echte Ladendiebe verwenden auch nie Einkaufswagen zum Diebstahl. Angeblich habe sich Javadi einen Einkaufswagen mit Ware voll gestopft und versucht durch die Hintertür zu fliehen.

DER PROZESS
Im 1988 stattfindenden Prozess trat Javadis Ehefrau Marjan als Nebenklägerin auf. Als sie im Gerichtssaal neben ihrem Anwalt Platz nahm, wurde sie von Richter Rolf Dippon zu den Zuschauer/innen geschickt, die sie bei dumm anstarrten und teilweise als Hure beschimpften.
Als Javadis Witwe einmal ums Wort bat, schnitt Richter Dippon ihr so barsch das Wort ab, dass sie weinend aus dem Gerichtssaal lief. Zitat: „Mäßigen Sie sich, auch wenn Sie aus dem Orient kommen”. Oder: „Sagen Sie ihr, sie solle sich mäßigen, auch wenn sie aus dem Orient kommt“. Der Täter dagegen wurde Täter sehr höflich behandelt. Sowohl die Zeugenaussagen der Täter als auch die Angaben des übrigen Pfannkuch Personals waren auffällig „einheitlich“.
Ein reicher Onkel Verwandter hatte dem Haupttäter Andreas U. einen Anwalt von der Münchener Starkanzlei „Bossi“ gestiftet.
Dem Staatsanwaltschaft genügte als Tatmotiv, die angebliche Verhinderung von Ladendiebstahl. Die wahrscheinlich rassistischen Hintergründe und ein bedingter Tötungsvorsatz waren vor Gericht kein Thema. Sogar die Täter selbst sagten vor Gericht, dass es sich eigentlich gar nicht um einen Ladendiebstahl gehandelt hätte.
Am 30. Juni 1988 wurde nach einem kurzen Prozess das Urteil gegen die beiden Pfannkuch-Mitarbeiter verkündet. Die beiden Täter bekamen eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Im Urteil zum Prozess hieß es:

Die Angeklagten handelten jedoch dabei unbewußt fahrlässig, denn sie ließen die Sorgfalt, zu der sie nach den Umständen und nach ihren Fähigkeiten und Kenntnissen verpflichtet und in der Lage waren, außer acht und sahen deshalb nicht voraus, daß durch ihr Verhalten der Tod des Angeklagten eintreten konnte.

In seinem Urteil berief sich der Richter auf einen Präzedenzfall, in dem ein Polizist einen Jugendlichen im Würgegriff tötete und ebenfalls fast straffrei davonkam.
War das Urteil ausgesprochen milde, so konnte der Richter in anderen Fällen durchaus auch hart urteilen. Der Vorsitzende Richter Rolf Dippon hatte etwa vier Wochen zuvor drei Jahre Gefängnis ohne Bewährung gegen einen jungen Türken verhängt hatte, der ohne aktiv einzugreifen dabei war, als seine Clique einem Geschäftsmann auf der Straße eine Geldbörse stahl.

Eine Revisionsantrag gegen das Urteil führte zwar zu einem neuen Prozess, bestätigte aber die alten Urteile. Und das obwohl Andreas U. in seiner Bewährungszeit einen weiteren Menschen beinahe zu Tode gewürgt hatte, denn er ohne Führerschein am Steuer erwischt hatte. Das Opfer zog aber seine Anzeige vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart zurück.

Keiner der Gaffer wurde wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

REAKTIONEN & ERINNERUNG

Am Samstag den 22. August fand ein Trauerzug für Kiomars Javadi statt. Es kamen viele Flüchtlinge aus der Thiepval-Kaserne, in der auch Javadi untergebracht war, und ein überwiegend junges christliches Publikum aus der Region.
In den Tagen und Wochen nach Javadis Tod wurde der Supermarkt immer wieder das Ziel größerer Demonstrationen mit bis zu 2.000 Teilnehmer/innen.

Der bekannte Autor und ehemalige NS-Verfolgte Erich Fried (1921-1988) verfasste 1987 zum Tod von Kiomars Javadi ein Gedicht, worin er aber auch auf die Falschmeldung wegen Diebstahls zurückgriff:

Die Geschichte von Kiomars und ich

Wenn dieser Tote
ein Deutscher gewesen wäre
dann wäre er heute nicht tot
denn sein Leben wäre nicht das
eines Flüchtling gewesen,
den sein Elend zu Fall bringt.
Ich weiß das genau.
Denn auch ich war ein Flüchtling – vor Hitler
und ich habe erlebt
wie junge Flüchtlinge manchmal
sich vor Hunger vergriffen haben
am Essen in einem Kaufhaus
oder an Kleidungsstücken
oder weil ihnen kalt war
oder an irgendetwas
weil sie zornig und hoffnungslos waren.
Wenn dieser Tote
ein Deutscher gewesen wäre
dann wäre er nicht tot
in der Hand seiner Greifer geblieben
weil man mit Mitbürgern
bekanntlich freundlicher umgeht
als mit so fremden dahergelaufenen Pack.
Wenn dieser Tote
ein Deutscher gewesen wäre
hätten sie sich erinnert
dass er ein Mensch war.

Erich Fried

Die Lokalzeitung „Schwäbisches Tagblatt“ korrigierte nie ihre Version, wonach das Opfer wegen des Ladendiebstahls erwürgt wurde. Obwohl die Täter damals selbst bestätigten, dass es sich um keinen Ladendiebstahl gehandelt habe.
Screenshot Schwäbisches Tagblatt
(Screenshot „Schwäbisches Tagblatt“)
Überhaupt war die Berichterstattung der Medien sehr mangelhaft und verzerrt. Rahim Shirmahd kritisiert den „Mord an einem Toten“:

Die Behandlung des Falles durch die Medien, war sozusagen ein weiterer Mord an Kiomars Javadi, nämlich der an seiner Integrität und zugleich ein Gnadenschuss an den liberalen Schein der kleinen Stadt am Neckar, die so stolz auf ihre Dichter und Denker, die in vergangener Zeit in ihren Mauern lebten, zu sprechen ist.

Trotzdem vergab die Journalist/innen-Gewerkschaft IG-Medien ihren „Journalistenpreis ‘87“ an die Mitarbeiter/innen des „Schwäbischen Tagblattes“ für die „gründliche Recherche“ und „subjektive Realitätsabbildung“.

Kiomars und Marjan Javadi
(Screenshot „18 Minuten Zivilcourage“)
Zurück ließ Javadi seine zwei Jahre jüngere Ehefrau Marjan. Als sie vom Heim in eine Sozialwohnung zog, gab es Proteste der Nachbarn, die sagten: „Wir wollen nicht, dass das hier zu einem Puff wird“. Erst auf Druck der Behörden wurde ihr Einzug akzeptiert – allerdings wurden bei ihr dann später Fensterscheiben eingeworfen. Nach dem enttäuschenden Ende des juristischen Verfahrens verließ Marjan Javadi Tübingen und kehrte schließlich wieder in den Iran zurück.

Zu dem Mord an Kiomars Javadi produzierte 1987/90 der Javadi-Freund und Filmemacher Rahim Shirmahd einen 20-minütigen Film in Schwarzweiß mit dem Titel „18 Minuten Zivilcourage“. Der Regisseur wurde nach seiner Dokumentation mehrmals bei seiner Jobsuche mit Hinweis auf diese Arbeit abgelehnt.
Film 18 Minuten Zivilcourage

Die Stadt hat nie eine Tafel oder Sonstiges am Tatort angebracht, was an den Mord erinnert. Es gab aber immer wieder Versuche aus der Zivilgesellschaft an den Fall von Kiomars Javadi zu erinnern. Zuletzt gab es 2007 eine Unterschriften-Liste, die forderte:

Damit wenigstens bei uns die Tradition der Verharmlosung gebrochen wird, damit beim nächsten
zu erwartenden Übergriff gegen unsere Schutzbefohlenen keiner mehr wegschaut bis es zu spät
ist, damit die Tübinger Bevölkerung und speziell die Touristen, Hotelgäste und Fernreisen-Bucher
in der Wöhrdtstraße ständig an dieses grausige Geschehen erinnert werden FORDERN DIE UNTERZEICHNER
DIE STADT TÜBINGEN AUF, zum 20. Todestag von Kiomars Javadi den Tatort
zwischen dem Kiosk des Büìrger- und Verkehrsvereins, dem Hotel Damizil , der Rückseite des
Amerika-Hauses und dem Reisebüro Bühler
UMZUBENENNEN IN KIOMARS JAVADI – PLATZ. Dabei sollte in geeigneter Form ein erklärender Hinweis angebracht werden, etwa des Inhalts :
Kiomars JAVADI, Asylsuchender aus dem Iran ,wurde hier am 20.8.1987 erwürgt – einer von zu
vielen, die bei uns Schutz suchten und den Tod fanden.
Darüber hinaus fordern die Unterzeichner die Stadt Tübingen auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um menschenwürdige Unterbringung, angemessene soziale Betreuung Schutz vor Diskriminierung in der Öffentlichkeit und vor willkürlicher Abschiebung für alle Hilfe- und Schutzsuchenden finanziell und personell sicherzustellen.

Der bereits mehrfach zitierte Rahim Shirmahd schreibt: „Immer wieder muss ich an den Spruch denken, den ein Deutscher mit weißer Farbe auf den Asphalt am Tatort schrieb:

Wir trauen um Kiomars Javadi und um den Rassismus in uns und um uns“.

Zum 30. Jahrestag gab es am Epplehaus Tübingen ein Gedenk-Transparent:
Gedenktranspi Epplehaus Kiomars Javadi

LITERATUR & QUELLEN
* Die Ausgaben des Schwäbischen Tagblattes vom 21. bis zum 30. August 1987, besonders die Rubrik „Tübinger Chronik“ und die Leserbriefspalte.
* Kurzfilm „18 Minuten Zivilcourage“ von Rahim Shirmahd, 1991
* unveröffentlichtes Manuskript „Rassismus ist Opium für das Volk“ von Rahim Shirmahd, 2009