DAS OPFER
Opfer war der 44- oder 45-jährige, in Ludwigsburg lebende, Sydi Battal Koparan. Er war im Jahr 1969 aus der Türkei nach Deutschland gekommen und hatte fünf Kinder und eine kranke Frau. Die Frau von Koparan musste nach dem Mord mit 900 DM Frau ihre fünf Kinder versorgen.

DIE TAT

In der Neujahrsnacht von 1981 auf 1982 erschlugen Mitglieder der rechten Motorrad-Bande „Stander Greif“ im Kreis Ludwigsburg den Sydi Battal Koparan.
Der 45-jährige befand sich in der Silvesternacht mit Freunden auf der Suche nach seinem behinderten Sohn. Dabei kam er auch in die Gastwirtschaft „Krone“ in Gündelbach (Kreis Ludwigsburg). Diese war das Stammlokal der Bikerbande „Stander Greif MC“ (MC = Motorclub). Der „Stander Greif“ galt als Nachfolgegruppe der 1982 verbotenen rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, auf deren Konto mutmaßlich 15 Tote gehen (13 beim Oktoberfest-Attentat, zwei durch einen Doppelmord in Erlangen). „Stander Greif“ hatte seinen Sitz im Stuttgarter Raum und Ableger in verschiedenen Bundesländern. Das Symbol der braunen Biker war ein Schwert auf dem Buchstaben „H“, was an das Truppenkennzeichen der 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“ erinnern sollte. Der Club ist heute aufgelöst, seine Mitglieder sind aber teilweise in anderen MCs weiter aktiv.
In der Tatnacht geriet Koparan jedenfalls in Streit mit den rechten Rockern, weil er dachte, dass diese seinen Sohn misshandeln würden. Ein Irrtum. Die Frau des Wirtes wollte nicht die Polizei rufen und warf stattdessen mit rassistischer Begründung Koparan raus: „Scheißtürken, macht das ihr wegkommt, haut ab.“
Später fand er seinen Sohn. Koparans Gruppe von sechs oder sieben Personen wurde von 60 bewaffneten „Stander Greif“-Rockern angegriffen. Es kam dabei bei den Angegriffenen zu vier Verletzten. So wurden u.a. behinderten Sohn von drei Angreifern zwei Zähne ausgeschlagen, die Lippen blutig und beide Augen blau geschlagen. Erst spät traf die Polizei ein. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht.
Nach der Tat zog der Trupp grölend durch den Ort: „Wo wohnen hier noch Scheißtürken?“.
Sydi Koparan waren drei Rippen durch Faustschläge und Motorradstiefeltritte gebrochen worden, außerdem hatte er mit einer Eisenstange oder einem ähnlichen Gegenstand drei Löcher im Schädel erhalten. Fünf Stunden nach seiner Einlieferung war an diesen Verletzungen gestorben.

DER PROZESS
Drei Rocker wurden damals als Täter verhaftet. Davon wurde einer frei gesprochen, einer bekam drei Jahre und sechs Monate und der Andere bekam ein Jahr und neun Monate.

REAKTIONEN & ERINNERUNG

In einem sehr persönlichen Bericht schrieb Mehmet, der Sohn von Koparan, 1983: „Viele werden sagen, na und, ein Türke weniger. Das Wort Türke hat keine Bedeutung. Ist dieser etwa kein Mensch?“

Das Magazin „Der Spiegel“ schrieb in seiner Ausgabe 27/1982:

Wie schnell Fremdenhaß zu Mord und Totschlag führen kann, hatte sich bereits in der Neujahrsnacht 1981 gezeigt, als eine rechtsradikale Motorrad-Bande mit dem Namen „Stander Greif“ im Kreis Ludwigsburg den Türken Sydi Battal Koparan, 44, erschlug. Er hatte auf der Suche nach seinem Sohn das Stammlokal der Ledermänner betreten. Nach der Tat zog der Trupp, gegen den noch ermittelt wird, grölend durch den Ort: „Wo wohnen hier noch Scheißtürken?“

Heute erinnert nichts mehr an diesen Mord.

LITERATUR & QUELLEN
* Nutten und Bastarde erschlagen wir. In Westdeutschland machen Gewalttäter mobil gegen Ausländer, Der Spiegel 27/1982, 05.07.1982, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14346894.html
* Mehmet Koparan: EIN TÜRKE ERZÄHLT: aus der nähe seh‘ ich dieses Land, in: Ludwigsburger Stadtblatt Nr. 22, Mai 1983