DAS OPFER
Das Opfer war der 17-jährige aus Russland stammende Spätaussiedler Arthur (oder: Artur) Lampel aus Donaueschingen, der einen Tag nach der Tat 18 Jahre alt geworden wäre.

DIE TAT
Der Spätaussiedler Arthur Lampel wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. September 2001 bei einem Fest in Bräunlingen (Kreis Schwarzwald-Baar-Heuberg) vom Wortführer einer rechten Skinhead-Clique tödlich verletzt.
Die lokale Inline-Hockeymannschaft in Bräunlingen hatte an diesem Wochenende ein zweitägiges Turnier organisiert, um ihr neues Spielfeld einzuweihen. Im Anschluss wurde in einem Partyzelt beim örtlichen Sportplatz gefeiert.
Der Haupttäter, der Skinhead Patrick S. aus Bräunlingen mit dem Spitznamen „der Knochen“, traf sich aus Freiburg kommend am frühen Abend in Bräunlingen mit seinem Kumpel Sebastian D. Bereits auf der Hinfahrt trank Patrick S. Alkohol und setzte das dann auf den Fest weiter fort. Gegen ein Uhr Nachts traf Arthur Lampel, der mit drei Freunden unterwegs war, auf dem Fest ein. Im Festzelt stritten sich Sebastian D. und Arthur Lampel, u.a. zeigten sie sich den Stinkefinger. Als sie vor dem Zelteingang erneut aufeinander trafen kam es zur handfesten Konfrontation. Angeblich gelang es Lampel seinen Kontrahenten, einen 100 Kilo schweren und fast zwei Meter großen Hünen „mit einem Bierkrug-Schlag auf den Kopf“ (Südkurier) niederzustrecken. Dann wollte Patrick S. vermutlich seinem Bekannten in der Auseinandersetzung zur Hilfe eilen, wurde aber anfangs noch von zwei Jugendlichen des Inline-Clubs festgehalten. Daraufhin warf er sein Weizenbierglas gezielt, wie er vor Gericht auch zugab, auf Arthur Lampel. Ein Splitter drang in dessen Halsschlagader ein, woraufhin er verblutete.
Der Bräunlinger Arzt Norbert Kammerer, der wenige Minuten später eintraf, und auch eine herbeigerufene Notärztin konnten Arthur Lampel nicht mehr zu retten.

DER PROZESS

Am 11. September 2002 begann vor der Jugendstrafkammer des Konstanzer Landgerichts der Prozess gegen den Täter Patrick S. Dieser bekannte sich gleich zu Anfang voll schuldig.
Patrick S. wurde von dem Donaueschinger Rechtsanwalt Oswald Wild vertreten. Er war zum Zeitpunkt des Prozesses bereits mehrfach vorbestraft, kam aber bis dahin immer mit Bewährungsauflagen davon.
Vor Gericht traten die Angehörigen des Opfers als Nebenkläger auf und hatten den CDU-Bundestagskandidaten Siegfried Kauder mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt.
Der Gutachter nannte den Tod von Lampel durch eine geworfene Flasche „eine unglückliche Verkettung äußerst unglücklicher Umstände“.
Das Landgericht befand, dass „Fremdenfeindlichkeit“ nicht der Hintergrund für Artur Lampels Tod sei. Allerdings gelang es der Kammer im Prozessverlauf nicht irgendein Tatmotiv feststellen.
Am 18. September 2002 wurde das Urteil gesprochen. Der vorbestrafte Skinhead wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

REAKTIONEN & ERINNERUNG

Die DGB-Regionalgruppe Frankfurt-Rhein-Main schaltete eine Gedenk-Anzeige für Arthur Lampel.
Anzeige in Erinnerung an Arthur Lampel

LITERATUR & QUELLEN
* Der Totschlag vor dem Festzelt, Südkurier, 12.09.2002, http://www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/villingen-schwenningen/Der-Totschlag-vor-dem-Festzelt;art372541,50149