DIE OPFER
Mordopfer sind zwei schwule Männer, die an einem Treffpunkt für Gelegenheits-Sexkontakte („cruising“) erschossen wurden. Konkret handelt es sich um den 70-jährigen Hans Friedrich L. und einen 30-jährigen Mann.

DIE TAT
Am 8. Mai 2010 wurde ein 30-jähriger Mann bei einer Autobahnraststätte in Magstadt (Landkreis Böblingen) erschossen. Am 2. Juli 2010 wurde mit Hans Friedrich L. auf dem Autobahnparkplatz der A5 bei Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau in Hessen) ein weiteres Opfer erschossen.
Beide Opfer wurden von hinten mit Kopfschüssen aus derselben Waffe ermordet. Bei der Tatwaffe handelte es sich vermutlich um eine Pistole der schweizerischen Marke Hämmerli
Außerdem verletzte derselbe Täter am Nachmittag des 6. Juni 2010 einen 62-jährigen belgisch Touristen in Freudenstadt mit einem Messer. Der Täter hatte dabei das Opfer auf dem Marktplatz mit einem Klappmesser in dessen Geländewagen bedroht, es aufgefordert loszufahren und ihm als Reaktion auf seine Gegenwehr Schnittverletzungen an den Händen zugefügt. Der Angegriffene konnte sich aber befreien.

DER PROZESS
Am 12. Dezember 2010 verhaftete die Polizei den mutmaßlichen Täter, einen 56-jährigen Frührentner und früheren Postbeamten aus Esslingen.
Der Täter ist offenbar selbst nicht schwul, sondern ein heterosexueller Mann, der verheiratet war oder ist.
Der Angeklagte äußerte sich nach seiner Verhaftung nicht zu der Tat und verübte in Haft mindestens zwei Selbstmordversuche.

Der Oberstaatsanwalt Albrecht Braun erklärte während des Prozesses, dass der Angeklagte aus reiner Mordlust getötet habe, „aus Freude an der Vernichtung eines Menschen, als Zeitvertreib“. Die Richterin sah dieses Motiv nicht als erwiesen an, lehnt aber auch Homophobie als Tatmotiv ab.
Ende Januar 2012 wurde der Täter vom Stuttgarter Landgericht zu mindestens 15 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

REAKTIONEN & ERINNERUNG
Bis auf kritische Artikel auf dem Online-Portal „www.queer.de“ sind keine kritischen Einschätzungen der beiden Morde als mutmaßlich homophob motiviert bekannt.

VORLÄUFIGE EINSCHÄTZUNG
Der polizeiliche Fallanalytiker, der ein Täter-Profil anlegte, ging davon aus, dass der Angeklagte aus Hass auf Homosexuelle mordete. Der Profiler sagte der „Stuttgarter Zeitung“ im Oktober 2011: „Wir hatten den Eindruck, dass wir einen Täter hatten, der unzufrieden ist mit seinem Leben und sich in eine Art Sündenbockmentalität in ein Hassszenario hineingesteigert hat“.
Auch die Wahl des Tatortes war kein Zufall, sonder ihr liegt offenbar eine kühle Berechnung zu Grunde, wie auch der Profiler herausstellt: „Die Parkplatzszene ist für einen Täter, der Homosexuelle töten, aber nicht entdeckt werden will, ideal“.

Der Grund für die Wut des Angeklagten auf Homosexuelle könnte eine HIV-Infektion gewesen sein. Nach Medienberichten soll er sich in den 1990er Jahren in Kenia mit dem HI-Virus angesteckt haben, als der damals verheiratete Mann dort mehrfach fremdgegangen war. Einer der Frauen, mit denen er damals Sex hatte, soll den Berichten zufolge ein biologischer Mann gewesen sein.
Die Richterin am Landgericht erklärte während des Prozesses, dass die Infektion zu lange zurückliege, um Auslöser für die Taten zu sein.

LITERATUR & QUELLEN

* dk: Lebenslang für Cruising-Mörder, 01.02.2012, http://www.queer.de/detail.php?article_id=15858
* dk: Cruising-Mord: Staatsanwaltschaft will lebenslang, 27.01.2012, http://www.queer.de/detail.php?article_id=15831
* dk: Cruising-Mord: Profiler sagt aus, 25.10.2011, http://www.queer.de/detail.php?article_id=15244
* dk: Prozess gegen mutmaßlichen Cruising-Mörder beginnt, 29.08.2011, http://www.queer.de/detail.php?article_id=14885
* dk: Cruising-Mörder offenbar gefasst, 14.12.2010, http://www.queer.de/detail.php?article_id=13338
* dk: Tourist entkommt Cruising-Mörder in Freudenstadt, 07.12.2010, http://www.queer.de/detail.php?article_id=13299
* dk: Doppelmord an Cruisern: Polizei bittet um Mithilfe, 27.07.2010, http://www.queer.de/detail.php?article_id=12502