DAS OPFER
Opfer war ein 64-Jähriger schwuler Mann, der kurz vor seiner Pensionierung stand.

DIE TAT
Am 23. Mai 2017 ermordete in Ulm ein damals 15-Jähriger aus mutmaßlich homophoben Motiven einen allein lebenden 64-Jährigen Mann in dessen Wohnung in einem Mietshaus an der Schillerstraße nahe des Hauptbahnhofs.
Der Täter stammt nicht aus dem Raum Ulm, hatte aber damals eine Freundin in der Region und war deswegen in der Stadt. Der 15-Jährige hatte den 64-Jährigen offenbar zufällig in einer Kneipe hinter dem Hauptbahnhof getroffen. Er soll den älteren Mann angeschnorrt und wegen einem Schlafplatz gefragt haben, da er zu diesem Zeitpunkt wohnsitzlos ist.
Der Mann willigte ein, offenbar in der Hoffnung auf ein erotisches Abenteuer mit dem Jüngeren. Derlei Avancen scheiterten aber und fanden nur „einmalig und ohne jeglichen Nachdruck“ statt.
Daraufhin ging der 15-Jährige in die Küche holte ein Messer und stach wild auf sein arglos auf dem
Bett liegende Opfer ein. Dabei brach die Messerklinge ab, woraufhin der Täter zwei weitere Messer aus der Küche holte und weiter auf den Mann einstach. Das Opfer verstarb noch an Ort und Stelle an Blutverlust.
Danach reinigte sich der Täter und beraubte sein Opfer um Bargeld und eine Digitalkamera.
Um die Tatspuren zu verwischen legte der Täter einen Brand, den die alarmierte Feuerwehr löschen konnte. Diese traf das Opfer noch lebend an. Ein rasch verständigter Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.
Bereits drei Tage später wurde der mutmaßliche Täter unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Er war von Zeug*innen gesehen worden und bei seiner Flucht über den Bahnhofssteg gefilmt worden.

Bereits zwei Tage davor hatte der Täter in einem Wohnhaus in Beimerstetten (Alb-Donau-Kreis) ein Feuer gelegt, um sich damit bei einem Bewohner für eine Strafanzeige gegen ihn zu rächen.
Das Feuer konnte von einem der sechs Hausbewohner gelöscht werden.
In beiden Fällen wurde in Kauf genommen, dass Menschen geschädigt werden könnten.

Nach Einschätzung der Ermittler handelte der Täter aus Homophobie. Der Beschuldigte gestand die Tat weitgehend und gab auch zu, dass er Homosexuelle verachte. Die Staatsanwaltschaft Ulm wertete das als niedrigen Beweggrund:
„Die Anklagebehörde geht aufgrund ihrer Ermittlungen, insbesondere aufgrund der Einlassung des Angeschuldigten davon aus, dass ihn bei der Tat seine generelle Abneigung und Verachtung von Homosexuellen geleitet haben dürfte, was als niedriger Beweggrund gewertet wird. Ihm werden zudem die Mordmerkmale der Heimtücke, und der Ermöglichungsabsicht zur Last gelegt.“

DER PROZESS
Für seine Tat soll der Täter sich am 21. November 2017 vor dem Landgericht Ulm verantworten.
Es sind sieben Verhandlungstage bis Ende Januar vorgesehen.

REAKTIONEN & ERINNERUNG

LITERATUR & QUELLEN
* Hans-Uli Mayer: Schillerstraßen-Fall: Aus Schwulenhass zugestochen, 30.08.2017, http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/anklage-gegen-16-jaehrigen-wegen-mordes-15654024.html
* Michael Ruddigkeit: Hass auf Homosexuelle: 16-Jähriger wegen Mordes angeklagt, 30. August 2017, http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Hass-auf-Homosexuelle-16-Jaehriger-wegen-Mordes-angeklagt-id42544826.html
* Cw: Ulm: 16-Jähriger soll Schwulen aus Homophobie ermordet haben, 30.08.2017, http://www.queer.de/detail.php?article_id=29575
* Staatsanwaltschaft Ulm: 64 Jahre alten Mann aus homophoben Motiven heraus getötet – Anklage gegen 16-Jährigen wegen Mordes, 30.08.2017, http://www.staatsanwaltschaft-ulm.de/pb/,Lde/4748886/?LISTPAGE=4417812
* dpa: Mordvorwurf: Jugendlicher vor Gericht, 10.10.2017, http://www.schwaebische.de/region/baden-wuerttemberg_artikel,-Mordvorwurf-Jugendlicher-vor-Gericht-_arid,10750343_toid,351.html